Die
Noord /
Zuidlijn in
Amsterdam:
ein öffentliches
Museum

Zur Referenzen und Fallstudien

In den 90ern entstanden Pläne für den Bau einer neuen U-Bahnlinie in Amsterdam - eine komplexe Aufgabe in einer dicht bevölkerten Stadt. Im Sommer 2018 dann wurde die U-Bahnlinie eröffnet. Auf der Route liegen acht U-Bahnstationen, unter anderem Amsterdam Centraal, die wie auf einer Schnur aufgereiht durch die Stadt verlaufen. Sie verkürzen die Fahrtzeit zwischen den Außenbereichen der Region auf fünfzehn Minuten. Die Route ist 9,7 Kilometer lang, von denen 7,1 Kilometer unterirdisch (unter dem Stadtzentrum) verlaufen.

Die Noord/Zuidlijn besticht nicht nur im Hinblick auf Design, Management und Materialgebrauch, sondern beherbergt auch atemberaubende Kunst. Jede Station hat eine eigene Identität dank speziell designter Kunstwerke, zum Beispiel den Toren im Bahnhof Noorderpark von Broersen & Lukács, 100.000 Tulpenblüten von Tee im Bahnhof Amsterdam Centraal, der Ausstellung der archäologischen Fundstücke von Dewar & Gicquel im Bahnhof Rokin sowie der Filmkunst von Van der Kaap im Bahnhof Europaplein. Die Kunstwerke machen jeden Bahnhof zum Unikat und laden die Fahrgäste ein, sich auf eine unterirdische Museumstour zu begeben, um alle acht Kunstwerke in Augenschein zu nehmen und zu bewundern. Die meisten Bahnhöfe hinterlassen einen tiefen Eindruck, insbesondere Station Noord, wo Harmen Liemburgs Kunstwerk Flyways zu finden ist.

Text Eliane Mans
Fotografie Sem Shayne / Gregor Ramaekers / Harmen Liemburg
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Harmen Liemburg
Künstler und Kartograf
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Architektur und Wegführung durch Kunst

Benthem Crouwel Architects wurde damit beauftragt, sieben Bahnhöfe an der Noord/Zuidlijn in Amsterdam zu gestalten. Der Architekt Joost Vos erklärt: „Für dieses Projekt haben wir geplant, dass Fahrgäste so schnell wie möglich vom Bahnsteig in die Stadt gelangen sollen. Menschen mögen keine unterirdischen Räume, weil sie sich dort wegen mangelnder Orientierung und Sicherheit unwohl fühlen. Aus diesem Grund ist Orientierung mithilfe von Tageslicht äußerst wichtig; daher haben wir dafür gesorgt, dass das Licht bis weit in den Bahnhof hineinreicht. Zur Unterstützung setzen wir auch künstliches Licht ein. Kaltes Licht, das mit Tageslicht assoziiert wird, wird an den Ausgängen der Bahnsteige eingesetzt, während Leuchten, die wärmere Farbtöne produzieren, auf den Bahnsteigen installiert wurden. Wir haben in den Bahnhöfen für eine gewisse Vertrautheit gesorgt, indem wir sowohl Tageslicht als auch künstliches Licht stark in den Vordergrund gerückt haben und konsequent dieselben Formen, Routen, Glas- und Keramiksorten verwendet haben. Die acht Kunstwerke tragen ebenfalls dazu bei. Auf der Noord/Zuidlijn wurde Kunst intelligent in die Architektur integriert und stellt eine echte Bereicherung für die Bahnhöfe dar.“

Jeder Bahnhof ist einzigartig

Der Künstler und Kartograph Harmen Liemburg kann sich noch gut an den Anruf von Véronique Baar von QKunst erinnern. Sie bat ihn darum, seine Skizzen für die künstlerische Gestaltung des Bahnhofs Noord zu präsentieren. Das Thema war bereits vorgegeben: Das Kunstwerk sollte sich ebenso wie die U-Bahnlinie selbst an der natürlichen Infrastruktur der Stadt orientieren und eine Verbindung zwischen dem Bahnhof und seiner Umgebung herstellen. Liemburg erklärt: „Véronique war das Bindeglied zwischen den Künstlern, dem U-Bahn- und Straßenbahnbetreiber, dem Beratungsausschuss und anderen Beteiligten. Die von uns Künstlern erstellten Skizzen wurden den Beteiligten und den Einwohnern Amsterdams im Rahmen einer Pop-up-Ausstellung präsentiert.“

Véronique Baar blickt zurück: „Nachdem die ersten Skizzen fertig waren, war klar, dass die Kunst auf monumentale Weise und im großen Rahmen in die Architektur integriert werden sollte. Wir haben auf Abwechslung gesetzt, um ein vielfältiges und gemischtes Publikum zu erreichen. Außerdem sollten die Designs eine Perspektive auf Amsterdam bieten und Amsterdam im Verhältnis zum Rest der Welt zeigen, ohne die Künstler in ihrer Arbeit zu sehr einzuschränken. Schließlich hatten wir bereits technische und architektonische Vorgaben formuliert, die sie berücksichtigen sollten. Der unabhängige Beratungsausschuss tagte während wichtiger Phasen im Prozess, um die Auswahl der Künstler und Kunstwerke zu bewerten und die Meinungen der Öffentlichkeit zu berücksichtigen.“ Liemburg fährt fort: „Ich war freudig überrascht, als ich hörte, dass man mich ausgewählt hatte. Mein künstlerischer Prozess, die Umwandlung gefundener Bilder in Grafiken, traf offensichtlich den Geschmack des Beratungsausschusses.“


Eine der Bahnsteige der Station Noord in Amsterdam.
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Eine Parallele zwischen Fahrgästen und Wandervögeln

Liemburgs Kunst erinnert an Comics, die die Natur thematisieren. Liemburg erklärt: „Die Architektur und die Wegführung sind entscheidende Faktoren dafür, wie Menschen sich in einem bestimmten Raum fühlen. Kunst vervollständigt das Bild im wörtlichen Sinne. Sie muss Menschen begeistern. Während dieses Projekts dachte ich, dass es interessant wäre, Parallelen zwischen den verschiedenen Fahrgasttypen zu ziehen, z.B. Ausflüglern, Touristen, Pendlern... und Wandervögeln. In den Naturschutzgebieten, die sich in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof Noord befinden, gibt es Schrebergärten, endlose Wiesen mit Bächen, naturbelassene Flächen, tiefe Moore und schilfbewachsene Ufergebiete. Die zahlreichen Vögel, die hier leben, dienen mir als Inspiration.“ „Ich habe diese Gebiete genau studiert, um zu lernen, welche Vögel oder Wandervögel sich in welcher Saison hier aufhalten und wie sie sich ernähren. Es fasziniert mich, wie Vögel, die nach unserem Verständnis limitiert sind, riesige Entfernungen bis nach Afrika zurücklegen können und dann den Weg zurück finden, um sich hier zu paaren und zu nisten. Ich habe großen Respekt vor ihren instinktiven Routen und stelle dies in meiner Kunst dar. Ich zeige, wie sie sich am Sternenhimmel orientieren und wie sie die Landschaft sehen, bevor ich mich auf Vögel wie Mauersegler, Graugänse und Uferschnepfen konzentriere. Das Kunstwerk bietet eine Perspektive, die sich ständig ändert. Die verschiedenen Designebenen sind auch notwendig, um die ganze Geschichte zu erzählen und das Interesse der Fahrgäste zu erwecken.“


Das Kunstwerk wurde mit großer Präzision in die Mosa-Quarz-Fliesen geschnitten.

Noord/Zuidlijn in Zahlen

  • Etwa 120.000 Menschen nutzen täglich die Noord/Zuidlijn (Linie 52).
  • Die Höchstgeschwindigkeit der Linie 52 beträgt 70 Stundenkilometer.
  • Die Gesamtkosten des Projekts betrugen 3,1 Milliarden Euro, was etwa 3.500 Euro pro Einwohner Amsterdams entspricht.
  • Archäologen fanden rund 700.000 Objekte, von denen 10.000 ausgestellt wurden.
  • Flyways von Harmen Liemburg ist 130 Meter lang und 13 Meter breit und besteht aus rund 6.700 Fliesen.
  • Mosa Core Collection Quartz-Fliesen: 30 x 60 Zentimeter.
  • Insgesamt wurden 40.000 Quadratmeter Fliesen in allen Bahnhöfen verlegt. Das entspricht einer Menge von etwa 200.000 Fliesen.

Trial and error

Liemburg sagt: „Es ist nicht möglich, das gesamte Bild auf einmal zu sehen. Da Sie nur das sehen können, worauf Sie stehen, entdecken Sie jedes Mal etwas Neues. Das war eine echte Herausforderung, da die Details in meinen Werken in einem proportionalen Verhältnis zu meiner Technik stehen. Ich musste die von mir ausgewählten und gescannten Bilder nachzeichnen und dabei berücksichtigen, dass das Kunstwerk durch Wasserstrahlschneiden realisiert werden sollte. Beim Wasserstrahlschneiden wird ein Hochdruckwasserstrahl mit ganz feinem Sand vermischt, um die Fliesen zu schneiden. Im Hinblick auf den Maßstab sind mir anfangs ein paar Fehler unterlaufen. Da ich die zahlreichen Prüfaufbauten mit allen Beteiligten wie QKunst, Mosa und Mutsaerts ausgewertet habe, wusste ich, wie ich den Maßstab anpassen musste, um mein Kunstwerk hervorzuheben. Um ein Gefühl für das gesamte Kunstwerk zu bekommen, habe ich mehrere Quadratmeter maßstabsgetreu ausgedruckt. Wenn wir wortwörtlich auf diesen ausgedruckten Bildern stehen, bekommen wir einen besseren Eindruck davon, woran wir arbeiten.“

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Spezialisierte Fliesenleger während des endgültigen Installationsprozesses. Zeitraffer der Verlegung des Kunstwerks auf den Boden.
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Architektur muss einen Zweck erfüllen

Zusätzlich zu den Wasserstrahlschneide-Tests für Liemburgs Kunstwerk wurden die Fliesen der Core Collection Quartz-Serie von Mosa zuvor auf ihre Funktionalität getestet. Im Mittelpunkt dieser Tests standen die Laufsicherheit der Fliesen, die intensive Nutzung, die Reinigungsfähigkeit, die Nachhaltigkeit und ihre Erscheinung im Hinblick auf Lichtreflexion, Struktur, Farbe und die Wärmebedürfnisse der Kunden und Architekten. Die Core Collection Quartz-Serie – die für die Böden in sieben Bahnhöfen verwendet wurden – musste anhand dieser Wünsche weiterentwickelt werden. Architekt Vos erklärt: „Wir sind vorsichtig vorgegangen, da Architektur unserer Meinung nach einen Zweck erfüllen muss. Alles, was auffällt, lenkt Menschen von ihrer Fahrt ab. Dasselbe gilt für die verwendeten Materialien; daher haben wir uns dafür entschieden, teilweise Hartglas, Strukturelemente und Keramikplatten zu nutzen. Bei den Decken haben wir uns für weißes Aluminium entschieden, da es die gesamte Farbpalette abbildet, die Menschen wahrnehmen können, und so die Lichtreflexion positiv beeinflusst. Die Akustik wurde durch eine Perforation der Materialien verbessert und sorgt für ein positives Gesamterlebnis. Wir haben darüber nachgedacht, für die Böden Granit zu verwenden, aber er erwies sich als zu fragil. Darum haben wir uns für Keramik entschieden. Die Core Collection Quartz-Serie bietet Fliesen, die dank ihres Brennverfahrens äußerst stabil sind. Die von uns verwendeten Farbtöne sind im Eingangsbereich dunkler, wo das Tageslicht hinkommt, aber auf den Bahnsteigen haben sie eine hellere Farbe.“

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“Nachdem die ersten Skizzen fertig waren, war klar, dass die Kunst auf monumentale Weise und im großen Rahmen in die Architektur integriert werden sollte.“
Véronique Baar

Individuelles Design

Vos fährt fort: „Mosa erstellte Muster und Testböden mit einer Fläche von 20 bis 30 Quadratmetern, damit wir einen Eindruck von den Farben und der Lichtreflexion bekommen konnten. Wir wollten keinen eintönigen Boden und konnten auf Wunsch mehr Farbe und Glanz hinzufügen. Wir haben uns gefreut festzustellen, dass individuelles Design auch bei Projekten dieser Größe möglich ist. Um herauszufinden, wie die Fliesen nach einiger Zeit und gewisser Abnutzung aussehen würden, haben wir ein Projekt in Sittard im Süden der Niederlande in Augenschein genommen. Böden wie diese müssen eine Menge aushalten, unter anderem tausende Menschen, die sie täglich benutzen, und die eingesetzten Reinigungsmittel. Diese Böden sollen nicht nur langfristig ästhetisch ansprechend aussehen, sondern müssen auch funktional sein und Fahrgäste unterstützen.“

Eine 1.200 Quadratmeter große Leinwand

Niels Mutsaerts von Mutsaerts BV war bereits sehr früh an der Noord/Zuidlijn beteiligt. Sein Unternehmen war für das Verlegen sämtlicher Böden und Fliesenflächen verantwortlich. So lernte er Harmen Liemburg kennen. Mutsaerts erläutert: „Harmen hatte einen Plan und wollte seine Kunst ursprünglich mit Licht oder mit Farbe auf dem Boden realisieren. Wir kamen ins Gespräch, und ich schlug vor, das Kunstwerk in Fliesen umzuwandeln. Obwohl wir das noch nie in einem derart großen Umfang getan haben, konnte ich es mir sofort auf dieser großen 1.200 Quadratmeter großen Leinwand vorstellen. Natürlich mussten wir vorsichtig und exakt arbeiten.“

„Gemeinsam haben wir diese Idee ausgearbeitet. Wir entschieden uns dafür, auf den Bahnsteigen die anthrazitfarbenen Core Collection Quartz-Fliesen von Mosa zu verlegen. Wenn wir die Fliesen gemahlen hätte, wäre das Kunstwerk nicht deutlich sichtbar gewesen. Daher mussten wir für einen Kontrast sorgen, indem wir eine weiße Fliese aus derselben Core Collection Quartz-Serie gemahlen haben, um einen negativen Effekt zu erschaffen und in der anthrazitfarbenen Fliese zu verarbeiten. Natürlich mussten wir erst Testflächen erstellen, um Harmen von unserer Idee zu überzeugen und Verbesserungen vorzunehmen. Bei der Erstellung der Testflächen haben wir mit einem festen Team spezialisierter Fliesenleger gearbeitet, die schließlich auch die Fliesen verlegt haben. Indem sie bereits in der Frühphase am Projekt beteiligt waren und weil Harmen so eng involviert war, auch in der Schlussphase, verlief der gesamte Prozess sehr glatt. Mein Team und ich waren stolz darauf, an einem nicht alltäglichen Projekt mitwirken zu dürfen. Und der Umstand, dass Harmen selbst vor Ort war, um uns zu unterstützen, motivierte uns noch mehr.“

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Joost Vos Architekt und Partner Benthem Crouwel Architects.
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Gemeinsames Ziel

Mutsaerts bekennt: „Die Schönheit dieses Projekts liegt in der Kombination aus moderner Technologie und Handwerk. Wir konnten dieses fantastische Endergebnis nur erzielen, weil wir mit allen Beteiligten von Anfang an ausführlich kommuniziert haben.“ Liemburg stimmt zu: „Die Zusammenarbeit ist entscheidend bei komplexen Projekten wie diesem. Außer den technischen Aspekten braucht man ein Auge fürs Detail und den Willen, die angestrebte Qualität zu realisieren. Nachdem wir festgestellt hatten, dass die Fliesen von Mosa für das Wasserstrahlschneiden geeignet waren, haben wir uns diese Grundlage zunutze gemacht. Ich beriet mich mit dem Projektplaner von Mutsaerts, um den richtigen Weg zur Umwandlung meiner Designs in Fliesen zu finden, der für die Schneidemaschinen geeignet war. Anschließend konnten wir uns auf eine Struktur und das genaue Verfahren zum Fliesenschneiden konzentrieren, die Sets nummerieren und vor dem Verlegen gruppieren. Und weil das Team ein gemeinsames Ziel vor Augen hatte, haben wir es geschafft.“

Auch Baar und Vos erinnern sich gerne an das Projekt. Vos erklärt: „Die Arbeit an der Noord/Zuidlijn hat Spaß gemacht. Das Ergebnis entspricht unseren Vorstellungen: Wir haben Norden und Süden näher zusammengebracht und gleichzeitig die Bahnhöfe zeitlos und modern gestaltet.“ Baar bestätigt: „Aus künstlerischer Perspektive war es eine Ehre, an diesem Projekt mitarbeiten zu dürfen. Das wurde mir klar, als ich feststellte, dass alle spürten, dass sie mit ihrer Kunst tatsächlich etwas bewirken werden. Das war für mich der beste Moment.“

Véronique Baar
Kunstberater und Director bei QKunst.
Jakub Ružička Musiker: „Wenn ich nicht die Gelegenheit gehabt hätte, auf der Noord/Zuidlijn zu spielen, hätte ich nie ein so großes Publikum wie jetzt erreicht. Für mich ist es eine Ehre zu wissen, dass die Menschen meine Musik auf ihren Fahrten live hören können. Ich hoffe, dass sie sich an mich erinnern werden und ihre Fahrt vom Norden in den Süden mehr genießen können.“
Projektdetails
Projekt: Noord - Zuidlijn
Architekt: Benthem en Crouwel Architects
Ort: Amsterdam (Niederlande)
Fertigstellung: 2016
Mosa-Kollektion: Core Collection Quartz
Weitere Informationen

An die Beratung und Unterstützung stellen wir höchste Ansprüche. Wir suchen aktiv das Gespräch und zeigen Interesse für Ihre Fragen. Haben Sie Fragen zu diesem Projekt oder möchten Sie über die Möglichkeiten für Ihr Projekt sprechen?

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